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"Der Gesang des Nordens"
                       (Sprach- & Menschwerdung)

 

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Das Bestiarium

von

Holthausen

Ein Ornament der Romanik

                                                            

                                                                         

                                                

 Hoher Mittag

 Wir sehen oben den römischen Adler, wie er sich auf den germanischen Hasen stürzt.

Der Adler wurde zunächst aus verständlichen Gründen von der germanischen Kulturgruppe abgelehnt. Wie bei den Goten wurde der Rabe (Ravenna) als der Ausdruck von Stärke und Gemeinschaft verwandt. Auf den gotischen Fibeln und Gürtelschnallen befinden sich, bisher häufig als Adler gedachte, Raben (Hugin und Munin).

Ursprünglich war der Begriff: „Rabeneltern“ deshalb positiv zu denken verwandt.

Sie waren die Schützenden, die Fürsorgenden, bzw. die um ihre und die Existenz ihrer Kinder Ringenden.

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Das Bestiarium  (Fang 71/ 2004  „Deutsche Waldjugend“)  eingestellt 08.02.2009

Die zwölf Bildteile von Holthausen

So Ihr meinen Hinweisen* gefolgt seid, habt Ihr im Mittelteil Eures „Fang“ zwölf Bil­der gefunden und sie zunächst betrachten können. Einige werden der Auf­for­derung gefolgt sein und das Puzzle gelegt haben, daß die Bilder möglich machen. Eine Flächengestalt ist damit entstanden, die einen Ort umreißen, der einen alten ge­schicht­lich interessanten Raum darstellt, den wir uns nun in Folge näher anschauen und bedeuten wollen.

Wenn wir eine Wanderkarte dieses Raumes aufschlagen1, so können wir diese Bilder auf ihr entdecken und damit den Übertrag der Bildwerte leicht leisten.

Dieser Ort, zu dem unsere Reise geht, wurde vor gut eintausend Jahren Holthausen genannt. Holthausen setzte sich aus diesen zwölf Bildern zusammen, die Großfluren darstellen. Über ihre Besiedlung und Einwohnerdichte jener Zeit ist uns nichts bekannt. Heute finden wir in den zwölf „Bildern“ Holthausens zunächst die von ihnen gebildeten Ortsteile, die unten folgend in den Beschreibungen, auch mit ihren Namen, neben den Bildmotiven stehen.

Es wird sich zeigen, daß die Namen dieser Orte in den meisten Fällen so alt wie ihre Bilder oder älter sind. Doch spätestens stammen sie aus jener Zeit, die wir heute Romanik nennen.

Damit stellt sich der Ort „Holthausen“ mittels seiner traditionsbezogenen Bedeu­­tungen als ein früher romanischer Kulturmittelpunktes in {Westphalian2} vor.

Wie Ihr erkennen könnt will ich mit Euch eine Zeitenreise antreten, die zum Ziel hat jene Weltanschauung zu vermitteln, in der wir noch die Vorbilder der Natur erkennen können, die unsere Vorfahren bewegten.

Gleich einem „Punkt“ liegt dieser Ort auf der Landes- oder Deutschlandkarte, dem wir uns aber nur mit dem Verstand zu nähern brauchen.

Wir werden diesen landschaftlichen Ort gedanklich umkreisen und uns dabei verschiedenster Perspektiven bedienen, die uns unserem inneren Ziel näher bringen: Kultur zu erfahren, die diesen Raum prägte und die im „Ornament von Holthausen“ ein „erstes“ Abbild selbst unserer eigenen zeitgenössischen Anschauung findet; also auch die Bezüge unsere Kultur von heute transparent und sichtbar macht. Damit ist dieses Werk gleich einer Kathedrale, die nur dem wachen Geist sichtbar und bedeutsam sein kann.

In einem Durchgangsbereich des ehemaligen „Osning“ (dem heutigen Teutoburger Wald) gelegen, geriet mehr als dieses Ornament ins Vergessen. Auch jene altgeschichtlichen Zusammenhänge, für die dieses Ornament stand und steht, waren bereits vor 200 Jahren in Gänze verloren, wie uns das älteste um dieses Werk existierende Dokument1 anschaulich macht.

*siehe die Anmerkungen der Deckelinnenseite

Doch gleich einer Erscheinung kann nun, nach wer weiß wie langer Zeit, ein Geschichts- und Kulturdokument, das bereits weit über diesen Raum hinaus­strahlte, all jenen erneut vorgestellt werden, die Freude und Gefallen am Erbe unserer Ahnen finden und es mit Herz und Geist zu erfüllen vermögen.

Wie Ihr bereits an der Form der Puzzleteile erfahren konntet, bilden die Umgren­zungen der Ortsteile die Grundlage dieses Werkes, zumal sie sich aus Einzelteilen zu einem Gesamten fügen.

Dies Gesamte, als gestaltete Fläche, stellt eine eigene Welt dar, in die jeder einzudringen und damit seine Botschaft zu erkennen vermag.

Ihr macht in diesem Prozeß auch diesen Teil von Welt zu Eurer Welt, aus der stets neue und weitere Fragen an Euch erwachsen. Je genauer Ihr hinschaut und je mehr in Euren Blick gerät, desto größer wird die Flut des möglich Erkennbaren.

Wer oder was bin ich, bist du, sind wir, - Fragen, die unser Selbst betreffen und die hier ebenso anzuschwingen vermögen, wie die Neugier um die Menschen vergangener Zeit.

In der Welt des „Ornamentes“ begegnen uns vielfältigste Anschauungen, begegnen uns auch Grenzen ganz anderer Natur, als die noch anzusprechenden Umgrenzungen der Bilder. Zunächst sagt uns das „Ornament“ etwas über seinen „Schöpfer“, dann über ihre Interpreten, die in der Zwischenzeit, auf heute, einzig die Kartographen waren, die dieses Werk übertrugen.

Den achtsamen Kartographen der letzten Jahrhunderte, ist es unter anderem zu verdanken, daß diese „Arbeit“ bis heute überdauerte. Ihren Fähigkeiten, denen der genauen Anschauung und des exakten Übertrags der vorliegenden Bildwerte, muß unser erster Dank gelten. Ihr zeichnerisches Vermögen vermittelt uns aber auch eine Ahnung um die analogen Grundlagen, die wir beim „Schöpfer“, oder war es eine „Schöpferin“, des Ornamentes voraussetzen müssen. Mehr noch, die Schöpfung  des Ornamentes selbst, wie ihr bei Eurer Puzzlearbeit erkennen konntet, setzte viel mehr voraus als wir uns im Moment vorstellen können.

Und so nähern wir uns einem Werk, das uns so ungeheuer viel zu sagen versteht. Von außen nach innen geht dabei die Reise, wobei im Innen zugleich ein zeitliches Zurück liegt.

Zunächst ist die Betrachtung der Umrandungen, die das Ornament bilden von Wichtigkeit.

Bereits beim puzzeln wird jedem deutlich geworden sein, daß die Grenzen im innern des Ornamentes stets die Grenzen in Nachbarschaft bedeuten. Die Grenze des Einen ist zugleich die Grenze des Anderen. Das wird aber erst von Belang, sobald wir erkennen, daß es sich bei den umgrenzten Flächen um Tierzeichen und Figurationen handelt, die in ihrer Gestalt nicht beliebig sind.

Nicht beliebig, nicht austauschbar zu sein, ist einer der wesentlichen Aspekte der Schöpfung und Eurer eigenen Existenz. Es über Euren Eltern und Freunden hinaus der Welt zu zeigen, daß Ihr einzig seid, beweist Ihr unter anderem durch

Euren Zusammenschluß als Deutsche Waldjugend. Mit Eurem Tun und Handeln setzt Ihr Zeichen, die gleich diesem Ornament Zeichen von Moral und Würde darstellen.

Jede Grenze, so wir sie zu überschreiten versuchen, bedeutet uns etwas. Wenn wir auf Grenzen stoßen, stellen diese sogleich Fragen und Forderungen an uns. Auch diese Grenzen fordern uns auf. Grenzen versetzen zunächst uns, bevor wir sie versetzten können. Sie versetzen uns in eine Lage, versetzen uns auch in ihnen. Wir nehmen uns wahr als Umgrenzte, Beengte oder auch Geschützte. Grenzen können uns sehr viel bedeuten und unser Leben, in seinem Verlauf, besteht vor allem daraus Grenzerfahrungen zu machen und daran möglichst zu wachsen.

Auch ich bin im Ornament auf Grenzen gestoßen, habe sie überwunden oder auch als unverrückbar, unüberwindbar erfahren. 

Die Grenzen zu unseren Nachbarn erkennen heißt zunächst immer: Meine Grenzen erfahren lernen!

Erfahrene Grenzen können viel verändern und so wollen wir uns verändern.

Das Ornament aber existiert aus seiner Unveränderbarkeit, es existiert aus seiner Konstanz. Auch das ist eine Erfahrung um Grenze, in der etwas zu erhalten ist und was wir auch als Tradition verstehen können. Uns Geboten, also gegebenen Gesetzen und damit Grenzen unterzuordnen bedeutet eine Grundlage von Gemeinschaft.

Im Ornament begegnet uns die Gemeinschaft von vielfältigsten Grenzen. Bei nur geringsten Veränderungen der Linienführungen der Kartographie, ganz gleich an welcher Stelle, lösen sich zwangsläufig jene figurativen Gestalten auf, die die Grundlagen weiterer und nächster Grenzen darstellen. „Sang- und klanglos“ wäre all das geworden, was uns nun von Spuren singen und klingen kann.

Gerade für die Außengrenzen Holthausens trifft dies in der Schärfe dieser Aussage zu. Denn kartographische Außengrenzen spiegeln zumeist Herrschaftsbereiche und vielfach haben sich diese im Umkreis des Ornamentes über annähernd eintausend Jahre gewandelt. Und doch, wie sich unten deutlich darstellen läßt, hat es keine Auswirkungen auf die „Bilder“ gegeben.

Im Norden, wie im Westen bildete heute das Land Niedersachsen mit dem Ort „Dissen“ und dem Kreis „Melle“ die Nachbarschaft zu diesem Werk. Im Süden wird es von „Bockhorst“ (Versmold) und im Osten von „Tatenhausen“ und der Gemeinde „Eggeberg“ (gleichsam zur Stadt Halle gehörend) begrenzt, während der Nordosten heute von der Stadt Werther berührt wird.

Daß die ursprüngliche Grenzfindung Holthausens, in der figurativen Form, ohne Absprachen mit den Nachbarn damaliger Zeit erfolgt sein könnte, ist kaum anzunehmen. Daß damit auch eine politische Reichweite und Macht der „Schöpfer“, also auch der Administrationen von und um Holthausen verbunden gewesen sein muß,  erscheint darum ebenfalls verständlich.

Alle bezeichneten Grenzen, um die es gleich wie am Rande gehen wird, erfüllten offensichtlich keine wirtschaftliche oder politische Notwendigkeit in ihrer Setzung. Sie sind im Außenbereich auch nicht die Folge natürlicher Gegebenheiten (Flüsse, Täler, Berge).

Nicht in der Sorge um Verwaltung oder Macht waren die Ortsteile in ihrer Ausformung gesetzt, sondern einzig mit dem Ziel der Dokumentation und der klaren Darstellung eines zu Schauenden verfaßt und aufgerichtet worden.

Vielleicht auch darum kam es zu keinerlei maßgeblichen Veränderungen um dieses große Werk und seiner inhaltsreichen Botschaft.

Das Ornament von Holthausen verhält sich darum analog zum Titel Westphalian, der bisher ebenfalls keine politische oder administrative Herleitung3  zuließ, wie wir bei Klüting lesen können.

Indem sich aber unser Horizont erweitert eröffnen sich die Fähigkeiten nun möglicher Ab- und Herleitungen, die mehr als die Ursprünge einzelner Begriffe erklären. Wir können sie bedeuten!

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Warum ist das Ornament annähernd 1000 Jahre alt!

Einige Punkte darum in steckbrieflicher Zusammenfassung.

Das Ornament:

-         Findet sich bereits auf einer Karte von 1825 („ite“).

-         Spiegelt genauestes Wissen um die Heergänge dieser ersten durch­dokumentierten        
    Schlacht der Antike.

-         Integriert bereits bekannte und unbekannte Wallanlagen der Kampf­zone als figurative    
    Bestandteile.

-         Ließ die Begründer der „Häuser“ (HB – HH), der Burg und der Kirche, ihre Baupositionen 
    im Sinne des „Herzens“ der Figurationen finden. Damit sind die „Häuser“, mit Ausnahme  
    des „Uphofes“ das Produkt eines Nachhinein. Der „Uphof“ (UH) ordnet sich in seiner 
    Namengebung ausschließlich der Historie, also den im Vorfeld des Ornamentes 
    existierenden Namengebungen, unter („ite“).

-         Integriert die „Flurbezeichnungen“ die ca. 1000 Jahre älter als es selbst sind und erweitert 
    sie inhaltlich.

-         Greift die Bildwerte frühgermanischer Zeit auf und integriert sie in das Gesamtwerk als ein 
     Teil des Gesamten. Damit schwingt sich das Ornament in einem metaphorischen 
     Feuerwerk empor und steigert seinen Aussagewert zu einem abendländischen Vortrag 
     hoch­christlicher Anschauung.

-         Greift die normannische Verfassung auf und stellt sie, mit dem {mental} der Menschen 
    dieses Raumes, als einig vor.

-         Zeigt, daß die Außengrenzen mit der Entstehung des Ornamentes gesetzt wurden und 
    exakt ihren Bestand, über ihre gesamte Existenz, beibehielten.

-         Vermittelt gleich einem Spiegel den Wertekanon der „Romanik“ und der frühgermanischen 
     Zeit („ite“ BK).

Stellt heraus, daß es neben ihm selbst und den Flurnamen, zu diesem Thema, keinerlei bekannte Überlieferung gibt. Aller mir bekannter Volksmund dieses Ortes geht an den Zusammenhängen des Ornamentes achtlos vorbei (BK).

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Anwort an die Deutsche Waldjugend

Liebe Waldjugend

Es war nicht leicht diese Form des vorliegenden Ausdrucks zum umfangreichen Thema des Bestiariums zu finden. Viele Abwägungen und Anläufe haben schließlich dies Ergebnis werden lassen.

Und doch wird es einige unter Euch geben, die Probleme und jede Menge Fragen um diese Lektüre haben werden.

Das muß nicht ein Mangel auf Eurer Seite sein, sondern kann wahrlich am gewählten Weg liegen, den ich meinte einschlagen zu müssen.

Ein ungewohntes „Wanderereignis“ in die Geschichte, an einen Ort hinter die Wälder und durch die Sümpfe der Zeit, führt sicherlich einige von Euch an ihre Leistungsgrenze.

Einige andere werden denken: „Ich wäre einen anderen Weg gegangen, vorbei vielleicht an Abgründen und Schluchten, an die mich das Thema führte und an denen ich hier und da scheiterte“.

Das war in diesen Fällen natürlich nicht das Ziel dieses Weges, auf dem ich keinen von Euch verlieren wollte und will! Denn wir sind ja noch nicht am Ende unseres Weges, das ich mit Euch gemeinsam erreichen will.

Grundsätzlich öffnet sich kein Thema von allein und mit einem Schlag. Vor allem, wenn es sich so neu und überraschend zeigt und einen solchen Umfang trägt, der sich mit unserer Welt so vielfältig verknüpft. Dann gerade in unübersichtlichen Situationen ist, wie Ihr aus Euren Wanderungen wißt, eine Orientierung nicht immer leicht.  

Ihr und das Ornament habt ein gemeinsames Basislager:

Als überspannenden Leitfaden des Ganzen sehe ich die vorgestellte Verantwortung um diese Welt und um unsere Mitmenschen an, die dies Ornament uns vermittelt. Darin seid Ihr ja bereits geschult und in mancherlei Aktivitäten vertraut. Das ist für Euch kein neuartiger Anspruch.

In einem Aspekt meiner Arbeit wurde mir dies deutlich. Das, was Ihr bereits mit dem Beitritt zur Deutschen Waldjugend zum Ausdruck brachtet, Euch einzusetzen und stark zu machen für die Belange unserer Welt, entspricht der Ritterschaft, wie sie uns für das „Holtfeld“ begegnet.

{To get the dub} den Ritterschlag zu erhalten und darum die Rosenknospe gereicht zu bekommen {to get the bud} bildet das Bindeglied von damals und heute.

Dies Ansehen leitete mich in dieser Arbeit. Diese Rosenknospe ist Euer Schatz. Sie zu bewahren und zur Blüte zu bringen Euer Ansinnen und in dieser Erfahrung liegt das Kapital Eurer Bildung.

{To get the bud} heißt es scheinbar nebensächlich. Doch liegt in dieser Nebensache Euer gesamter Haushalt, Euer (in Umkehrung):

„Budget“.  

Ihr müßt Euch sammeln und konzentrieren, im Innern und als Gruppe, damit Ihr Euch entfaltet; als Rosen oder Schmetterlinge.

Damit steht Ihr vor der Annahme des Weges der den Ritter in die Pilgerschaft führt.

Jede Frage die Ihr auch zu diesem Thema zu stellen wißt, ist eine Frage um den „Seidenen Faden“ Eures Kokon (Schmetterling), ist ein noch eingerolltes Blütenblatt Eurer Rose {bud}, einer Erwartung, die Ihr seid und auf deren Entfaltung Ihr ein Recht habt! zu dem aber auch ein Eigenmaß an Pflicht gehört!

Pflicht zur Neugier will ich dies nennen; Pflicht zur Frage.

Euer

Herbert Kramer

 
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